Verslehre Die hier aufgeführten Gedanken sind ein Komprimat aus dem virtuellen Reimlexikon von Reclam auf der CD-ROM "Reklams elektronisches Reimlexikon" Weitere Ausführungen dazu stehen am Seiten-Ende zum download bereit!

Vers (mask.) Zumeist Bezeichnung für eine einzelne Gedichtzeile, oft abgekürzt: V. Ein Vers-, d. h. Zeilenende ist vielfach durch einen Reim markiert, stets aber durch eine typographisch Pause, im Druck ›dargestellt‹ als leerer Raum. Die ›Unterbrechung‹ des Texts durch die Gliederung in Verse - entweder mitten im Satz oder am Satzende. Die Anordnung eines Textes in Versen bringt also den normalen horizontalen Lesefluss in ein reizvolles Konkurrenzverhältnis zum lyrischen Prinzip der vertikalen Lektüre.
Versmaß (neutr.) Auch Metrum; vorgeprägtes Schema, regelt die Silbenfolge einer Verszeile im Rahmen des in der jeweiligen Sprache gültigen Versprinzips, z. B. auf der Grundlage der Silbendauer - im Altgriechischen und Lateinischen -, der Silbenzahl und betonter/unbetonter Silben. Metrisches Schema (für jede unbetonte Silbe steht x, für jede betonte 'x):
Jambus (mask.) eine unbetonte und eine betonte Silbe (Bsp.: >Gefahr< ‚'x x)
Spondeus (mask.) 2-silbiger antiker Versfuß. Die deutsche Nachbildung des altgriechischen und lateinischen Spondeus ist problematisch, da für dessen 2 lange Silben im akzentuierenden Versprinzip des Deutschen (Silben werden nach dem Kriterium betont/unbetont unterschieden) 2 Hebungen stehen müssten, was selten gelingt (Bsp.: "Sturmnacht"). So steht für den antiken Spondeus im Deutschen meist ein Trochäus. Metrisches Schema (für jede betonte Silbe steht 'x): 'x 'x.
Daktylus (mask.) Dreisilbiger antiker Versfuß; in der deutschen Nachbildung: 1 betonte Silbe + 2 unbetonte Silben (Bsp.: "Sturmwetter", Im Altgriechischen und Lateinischen: 1 lange + 2 kurze Silben. Metrisches Schema (für jede unbetonte Silbe steht x, für jede betonte 'x): 'x x x.
Anapäst (mask.) Dreisilbiger antiker Versfuß; in der deutschen Nachbildung: 2 unbetonte Silben + 1 betonte Silbe (Bsp.: "Elefant", "Anapäst"). Im Altgriechischen und Lateinischen: 2 kurze Silben + 1 lange Silbe. Metrisches Schema (für jede unbetonte Silbe steht x, für jede betonte 'x): x x 'x.
Pentameter (mask.) Antike Verszeile aus - trotz des Namens - 6 Versfüßen, meist aus Daktylen, die in der ersten Vershälfte auch durch Spondeen ersetzt werden können. Obligatorisch ist der Verseinschnitt zwischen der 3. Länge (im akzentuierenden Versprinzip des Deutschen nach der 3. betonten Silbe) und der 4. Länge, die direkt aufeinander folgen.
Hexameter (mask.) Antike Verszeile aus 6 Versfüßen, meist aus Daktylen und Spondeen. Der 5. Versfuß ist meist ein Daktylus, der 6. stets ein Spondeus oder Trochäus. In der schematischen Darstellung antiker Verse werden lange Silben mit einem Strich ( - ), kurze mit einem Häkchen (u) und Silben, die lang oder kurz sein können, mit einem Strich über dem Häkchen (hier: û) notiert. Das Schema für die Normalform des (daktylischen) Hexameters sieht demnach folgendermaßen aus: - u u | - u u | - u u | - u u | - u u | - û.
Freie Rhythmen (mask.) Reimlose Verszeilen von beliebiger Länge ohne planvoll geregelte Abfolge von Hebungen, ohne Gleichmaß der Silben oder gleichmäßige Zäsuren pro Verszeile. Freie Rhythmen kennen keine feste Strophengliederung, wenngleich Verszeilen in Gruppen gegliedert werden können.
Alternierende Versmaße (neutr.) Im akzentuierenden Versprinzip des Deutschen sind diejenigen Versmaße alternierend, bei denen Hebung und Senkung regelmäßig wechseln. Dies ist der Fall beim Jambus und beim Trochäus. Als steigend-alternierend bezeichnet man den Jambus, als fallend-alternierend den Trochäus. Nicht-alternierend sind jene Versmaße, in denen 2 betonte bzw. 2 unbetonte Silben aufeinander stoßen wie beim Daktylus oder dem Anapäst.
Blankvers (mask.) Reimlose Verszeile aus 5 Jamben. Die unbetonte Silbe nach der letzten Hebung kann auch entfallen.
Freie Verse (mask.) Gereimte Verszeilen von beliebiger Länge, metrisch geregelt, meist in Jamben oder Trochäen; Reimordnung und Strophengliederung sind frei. Als später die metrische Regelung der einzelnen Verszeilen aufgegeben wird (Expressionismus), unterscheiden sich die Freien Verse nur noch durch den Reim von den Freien Rhythmen.
Kreuzreim (mask.) Folge von Endreimen im Reimschema abab (schematisch dargestellt durch Kleinbuchstaben).
Freie Rhythmen (mask.) Reimlose Verszeilen von beliebiger Länge ohne planvoll geregelte Abfolge von Hebungen, ohne Gleichmaß der Silben oder gleichmäßige Zäsuren pro Verszeile. Freie Rhythmen kennen keine feste Strophengliederung. Freie Rhythmen sind in der Lyrik der Gegenwart meist die Regel.
Metapher (fem.) Verwendung eines oder mehrerer Wörter nicht in eigentlicher, sondern übertragener Bedeutung; das eigentlich gemeinte Wort wird durch ein anderes aus einem anderen Vorstellungsbereich ersetzt, wobei beiden eine sachliche oder gedankliche Ähnlichkeit bzw. Bildstruktur gemeinsam ist. Die Übertragung erfolgt: von einem Lebewesen auf ein anderes (Bsp.: "Rabenvater").
Metrik (fem.) Lehre von den strukturbildenden Prinzipien der Verssprache. Die Metrik beschreibt u. a. folgende klanglich-rhythmischen Gegenstände systematisch und historisch und deutet ihre Wirkung im Rahmen des jeweiligen Versprinzips (im Deutschen das akzentuierende Versprinzip)an. Versfüße als metrische Grundeinheiten, Reimformen sowie Strophen- und Gedichtformen.
Metrum (neutr.) Auch Versmaß; vorgeprägtes Schema, regelt die Silbenfolge einer Verszeile im Rahmen des Versprinzips, z. B. auf der Grundlage der Silbendauer , der Silbenzahl oder auf der Grundlage des Wort-Akzents, d. h. betonter/unbetonter Silben. Ein metrisches Schema ist die abstrakte Darstellung eines bestimmten Metrums, für jede unbetonte Silbe wird ein x geschrieben, für jede betonte ein x mit Akzent darüber (hier: 'x).
Ode (fem.) In der deutschen Literatur seit Klopstock eine zumeist reimlose, feierliche, emphatisch- enthusiastische Dichtung, deren Strophenform vielfach auf antike, meist 4-zeilige Strophen-Vorbilder zurückgeht.
Paarreim (mask.) Folge von Endreimen im Reimschema aabb (schematisch dargestellt durch Kleinbuchstaben).
Rhythmus (mask.) In der neueren Verstheorie und im akzentuierenden Versprinzip des Deutschen (Silben werden nach dem Kriterium betont/unbetont unterschieden) wird der Rhythmus meist verstanden als die konkrete Erfüllung des Metrums.
Sonett Das Sonett (aus dem Italienischen: sonare = "tönen, klingen")ist eine Gedichtsform. Geschichte: Der Ursprung des Sonetts liegt im Italien des 14. Jahrhunderts, mit einer ersten Blüte bei Dante und Petrarca und verbreitete sich schnell im ganzen romanischen Raum, ab dem 16. Jahrhundert in England, wenig später in Deutschland, den Niederlanden und Skandinavien. Mit der Romantik wurde es auch in den slawischen Ländern populär. Form: Ein Sonett besteht in der Regel aus 14 metrisch gegliederten Verszeilen, die in vier kurze Strophen gegliedert sind: zwei vierzeilige Quartette und zwei sich daran anschließende dreizeilige Terzette oder Terzinen. Seit A. W. Schlegel gilt in Deutschland als Idealform der 5-hebige Jambus mit weiblicher Endung und dem Reimschema abba - abba - cdc - dcd Hier kamen jedoch zu allen Zeiten viele Varianten vor, z. B. abba - abba - ccd - eed, abba - abba - cde - cde, abba - abba - ccd - dee etc.
Terzett (neutr.) Bezeichnung für die beiden 3-zeiligen Strophen im Sonett. Die Terzette sind durch Reime miteinander verbunden; das Reimschema ist variabel: cdc - dcd, cde - cde oder cdc - dcd; andere Reimkombinationen sind möglich.
Quartett (neutr.) Bezeichnung für die beiden 4-zeiligen Strophen im Sonett. Die Quartette im strengen Sonett sind durch Reime miteinander verbunden (Reimschema: abba - abba oder auch abab - abab), ebenso die Terzette (Reimschema häufig: cde - cde oder cdc - dcd; andere Reimkombinationen sind möglich). - Im deutschen Sonett des 20. Jh.s reimen allerdings die Quartette vielfach nur in sich, z. B. abba - cddc oder abab - cdcd.